Häuser werden teurer
Von Alice Friedrich 11. Juni 2010, 06:00 Uhr
Anleger investieren wieder in Immobilien. Preise steigen in Stormarn in einem Jahr um bis zu 6,9 Prozent
Ahrensburg. Die Stabilität des Euro ist gefährdet, die Angst vor Inflation wächst. Konservative Anlageformen gewinnen als Kapitalanlage daher zunehmend an Bedeutung. Die Folge: Der Immobilienmarkt ist in Bewegung. "Die Nachfrage nach Häusern und Wohnungen steigt, die Preise ziehen wieder an", sagt Petra Marquardt, Geschäftsführerin von Marquardt & Freunde Immobilien in Ahrensburg. In den vergangenen fünf Monaten notierte die LBS Immobilien GmbH in Schleswig-Holstein ein Umsatzplus von fast 20 Prozent. "Wieder einmal hat sich die Immobilie in Krisenzeiten als Anlageobjekt Nummer eins herausgestellt", sagt Geschäftsführer Eckhard Schwill.
Wie die jüngste landesweite Bestandsaufnahme der LBS-I belegt, steigen die Preise für gebrauchte Ein- und Zweifamilienhäuser besonders in der Metropolregion Hamburg kontinuierlich. Für Stormarn zeigt sich das deutlich an der Entwicklung in Ahrensburg und Reinbek. Beide Städte warten gegenüber dem Vorjahr mit einem Plus von 6,9 beziehungsweise 6,3 Prozent auf. Mit Preisen zwischen 2000 und 2500 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche müssen Käufer wegen der unmittelbaren Nähe zur Metropole deutlich tiefer in die Tasche greifen als zum Beispiel in Bad Oldesloe. Hier liegen die Kaufpreise zwischen 1000 und 1500 Euro für den Quadratmeter. Gleichwohl ist auch das laut LBS-Erhebung ein Anstieg von 2,4 Prozent gegenüber dem Vergleichsmonat Mai 2009.
Dass es auf dem Immobilienmarkt wieder bergauf geht, beobachten sehr viele Immobilienmakler in Stormarn. "Vor der Finanzkrise hatten wir einen Tiefstand. Häuser waren schwer zu vermitteln. Jetzt steigen Nachfrage und Preise wieder", sagt die Ahrensburger Immobilienmaklerin Petra Marquardt. Als Kapitalanlage seien vor allem Häuser zunehmend interessant. "Für viele Käufer ist die Immobilie mittlerweile ein reines Rendite-Objekt", sagt Marquardt. Jahrelang waren Zins- oder Mehrfamilienhäuser eher uninteressant. Jetzt rücken sie verstärkt in den Fokus von Kapitalanlegern. "Die Nachfrage ist zurzeit höher als das Angebot. Wer nicht muss, verkauft solche Mietshäuser jetzt natürlich nicht", sagt die Maklerin.
Eine Renaissance erlebt auch eine weitere Immobilienart: die Eigentumswohnung. Immobilienmakler Friedhelm Kiesler aus Großhansdorf hat beobachtet, dass die Nachfrage seit Jahresbeginn enorm gestiegen ist. Die Kaufentscheidung werde nahezu ausschließlich unter dem Aspekt der Geldanlage getroffen. "Die Menschen haben Respekt vor der Gesamtsituation: Euro, Krise, Inflation", sagt Kiesler. "Sie sehen in den Wohnungen eine sichere Kapitalanlage." Das sei ein Objekt "zum Anfassen", mit dem sich eine gute Rendite erwirtschaften lasse.
Ein Blick in den Bericht des Stormarner Gutachterausschusses für Grundstückswerte belegt diese Entwicklung: Danach wurden 2008/2009 durchschnittlich188 Eigentumswohnungen verkauft, 53 mehr als in den beiden Vorjahren.
Ausschlaggebend für die Kaufentscheidung und auch die Höhe der Rendite sind die Lage und die Ausstattung eines Objektes. "An Eigentumswohnungen werden heute hohe Ansprüche gestellt", sagt der Oldesloer Immobilienmakler Heiner Timme. Sie sollten attraktiv sein und einen großen Balkon haben. Im Haus sollte ein Fahrstuhl sein. Und die Wohnung sollte und in einem schönen Umfeld gelegen sein. "Wichtig ist auch die Infrastruktur", sagt Friedhelm Kiesler. Hamburgnahe Standorte seien besonders gefragt. Im ländlichen Raum, ohne direkte Anbindung an die Metropole, sind Preise und Nachfrage niedriger. In Ahrensburg kostet der Quadratmeter bei Eigentumswohnungen rund 1620 Euro, in Barsbüttel 1580 Euro, in Bad Oldesloe 1350 Euro.
Zusätzliche Kaufanreize bieten die derzeit niedrigen Hypothekenzinsen. Manfred Steckmeister, Chef von Cropp-Immobilien in Bargteheide, sieht darin sogar das primäre Motiv für den Wunsch, sich ein Einfamilienhaus zu kaufen. "Bei dem unglaublich niedrigen Zinsniveau sind Immobilien auch für junge Familien finanzierbar", sagt Steckmeister. Seine Ahrensburger Kollegin Petra Marquardt pflichtet ihm bei. "Die Preislage, die für junge Käufer interessant ist, liegt zwischen 200 000 und 300 000 Euro für ein Objekt. Bei Zinsen unter vier Prozent sind die monatlichen Belastungen nicht höher als eine Miete", sagt Marquardt. Und sogar dann, wenn das Eigenheim zu hundert Prozent ohne Eigenkapital finanziert werde. Das sei für junge Familien mit gutem Verdienst, die noch keine Rücklagen gebildet haben oder Gespartes als Reserve für Unvorhergesehenes in der Hinterhand halten wollen, heute durchaus möglich, sagt Petra Marquardt. Sie sieht das allerdings eher kritisch. "Das sollte wohlüberlegt sein. Bei der Lage auf dem Arbeitsmarkt bleibt das ein hohes Risiko."
LBS-Geschäftführer Eckhard Schwill geht davon aus, dass die Immobilienpreise weiter steigen werden. "Die eigene Immobilie rangiert auch in puncto Altersvorsorge ganz vorn."
Auf der Suche nach Schutz für ihr Kapital investieren Anleger verstärkt auch in Land- und Forstflächen. Seit zwei Jahren häufen sich bei dem Ahrensburger Immobilienmakler Matthias Manthey die Anfragen von großen und kleinen Kapitalanlegern. "Früher investierten Industrielle ihre Gewinne in Land und Forst. Heute kauft auch Otto Normalverbraucher kleinere Flächen", sagt er. Die Nachfrage nach Land- und Forstflächen sei mittlerweile größer als das Angebot, die Preise hätten deutlich angezogen. Ein Hektar Wald koste 5000 Euro und mehr. Der Immobilienmakler ist sich sicher: "Landbesitzer sind die Ölscheichs von morgen."
Quelle: Hamburger Abendblatt – Stormarn

